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Die große Halo 3 Grafik-Diskussion - Grafisch guter Titel?

Was ist das eigentlich, ein grafisch „guter“ Titel?

Es passiert pausenlos und eigentlich völlig spontan: Wir bewerten Spiele auf Grund ihrer grafischen Finesse - oft nur in einem einfach Satz.
Wohl eher selten haben wir uns überlegt, was eigentlich hinter unseren Worten steht. Was macht einen in unseren Worten "guten" Titel letztendlich "gut" - und was verleitet uns zu der Aussage, dass ein Titel grafisch "schlecht" ist?

Kurz gesagt: Worüber in Spieleforen oft seitenlang diskutiert wird ist nichts anderes als eine subjektive, technisch kaum fundierte Meinung, die natürlich in der breiten Masse der Spiele im Normalfall auf Übereinstimmung mit einem Großteil anderer stößt und somit zu einem gemeinsamen Konsensus führt. Ist dieser Prozess einmal abgeschlossen, kann man davon ausgehen, mit dem Spieler von nebenan nicht mehr nächtelang diskutieren zu müssen, um ein Gears of War als ein grafisch ausgezeichnetes Spiel zu beurteilen.

Das heißt umgekehrt natürlich nicht, dass sich alle Spieler dieser Meinung anschließen müssen - eine gewisse Streuung ist wohl statistisch unvermeidlich. Hier bestätigt die Ausnahme also die Regel.

Nun haben wir also geklärt, dass hier zumeist (!) von subjektiven Meinungen gesprochen wird – wie diese subjektiven Meinungen aber zustande kommen, ist aber immer noch so wenig gesagt, wie die Frage ergründet wurde, was mit diesen Statements eigentlich bemessen wurde.
Eine Meinung ergibt sich aus dem persönlichen Erleben aber auch aus der nachfolgenden Informationsverarbeitung.

Etwas weniger wissenschaftlich ausgedrückt: Eine Meinung besteht immer aus subjektiven wie auch objektiven Komponenten. Wie das Verhältnis dieser Bestandteile schließlich aussieht, hängt maßgeblich von der beurteilenden Person ab.
Gewisse Personen haben gerade was die Grafik von Videospielen angeht, ein sehr ausgeprägtes Schema dafür, was sie als „schön“ empfinden. Andere lassen sich maßgeblich von einem gewissen allgemein gültigen Bild lenken, was derzeit als grafisch „gut“ zu bewerten ist – oft ohne dabei auf die individuellen Einzelheiten eines Titels einzugehen.
Wie auch immer die Meinung schlussendlich zustande kommt: Es ist keinesfalls so, dass der Entwickler machtlos zusehen muss, wie sein Spiel allein durch die Subjektivität der Spieler beurteilt wird, ohne selbst entscheidend ihr Urteil färben zu können.
Je (objektiv) besser ein Titel an gewisse Vorstellungen anknüpft, die in unseren Köpfen eng mit der grafischen Qualität von Videospielen geknüpft sind, desto eher wird sich die durchschnittliche Meinung in Richtung Positivität bewegen.

Doch was sind diese Vorstellungen? Der wohl wichtigste Eckpfeiler stellt der Fotorealismus dar: Je lebensechter ein Spiel wirkt, desto besser. Erst an zweiter Stelle kommt das Design bzw. die Kunstrichtung des Spieles, auch wenn diesem Aspekt ebenfalls große Bedeutung zukommt.
Schlussendlich ist es aber dennoch so, dass eine lebensechte Optik allemal einem außergewöhnlichen Design vorgezogen wird – was umgekehrt oft nicht der Fall ist. Darunter hatten und haben vor allem Entwickler zu leiden, die sich absichtlich von einem realistischen Look verabschieden um eine gänzlich neue Stilrichtung zu wählen. Wird dieser Schritt meist von der Fachpresse noch belohnt, sammeln derartige Titel unglücklicherweise in den Verkaufsregalen oft Staub, obwohl sie meistens auch inhaltlich absolut einen Blick wert wären.

Hierbei verhält es sich wie bei der Kunst: Die große Mehrheit wird immer das Bild eines Malers bevorzugen, das fast schon einem Foto gleichkommt. In allen anderen Fällen wird es bedeutend schwerer sein, die Geschmäcker auf einen Nenner zu bringen. Zu außergewöhnliche Kreationen werden überhaupt oft verurteilt und gemieden.

Was wir in Videospielen also letztendlich bewundern ist der Versuch, eine möglichst realistische Welt zu erschaffen. Dieses Phänomen kann man auch einfach beobachten, wenn eine Person die nichts mit Videospielen am Hut hat, einen Titel optisch bewerten soll. Hier hört man im positiven Falle auch nur ein „Spiele sehen immer echter aus.“, was das Wohlwollen des Sprechers ausdrückt.

Was viele Spieler wiederum mit der grafischen Bewertung eines Titels verbinden, kann man dahingehend einfach als „Wow-Effekt“ bezeichnen. Ein Spiel ist dann grafisch „gut“, wenn wir uns vor den Bildschirm setzen und uns das optische Bild beeindruckt.
Wichtige Faktoren sind dahingehend: Detailgrad, Physikalische Korrektheit (Lichteinfall, Schatten, Spiegelungen, Tiefenunschärfe…) sowie der gezeigte Ausschnitt (durchaus auch künstlerische Schwerpunkte, Design,…) – im großen und ganzen also Kriterien des Fotorealismus.

Was wir dabei wirklich sehen, wie es technisch zustande kam, und wie es sich auf das Gameplay auswirkt, interessiert viele dabei gerade in der Phase nicht, in der wir ein Spiel nur anhand von Screenshots und Trailern kennen lernen. Aber auch später wird in den meisten Fällen über ein eigentliches Trugbild hinweggesehen, wenn die Optik dabei immer noch „schön“ ist.


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